Sonntag, 3. Juli 2016

Wildbienenkartierung in Brandenburg


Gründe
Die Faszination für Wildbienen und deren teilweise extreme Spezialisierung auf einzelne Pflanzenarten,
welche der allgemeinen Annahme der Anpassung der Arten auf Umweltbedingungen gegenübersteht
sowie die Tatsache, dass es unmöglich ist Fotos einzelner sehr seltener Arten zu bekommen, veranlasste
Anja Grabs im August 2008 zur NABU Ortsgruppengründung „NABU Gosen – Neu Zittau“, um die
Kartierung öffentlichkeitswirksam durchführen zu können. Die NABU Gruppengründung zog zahlreiche
weitere Naturschutzprojekte nach sich, die auch in Zukunft in der Gemeinde von Bedeutung sein werden.
Die NABU Gruppe kümmerte sich 2010 u. a. um Vogelschutz (insbesondere die stark gefährdete
Trauerseeschwalbe), Fledermausschutz, Streuobst, Gewässerrenaturierung, Biberschutz und natürlich der Hymenopterenschutz (Hautflüglerschutz).

Zeitraum
Die Fotokartierung wurde 2009 durchgeführt, wobei auch Fotos aus 2008 in die Kartierung aufgenommen wurden.

Wie werden die Vorkommen von Wildbienen normalerweise kartiert?
Wildbienenexperten, von denen es im Vergleich zum Beispiel zu Ornithologen, sehr wenige gibt, nehmen am Fundort Wildbienen mit und töten diese, um sie später unter einem Mikroskop genau untersuchen zu können. Die gesammelten Daten dienen der Erstellung der Roten Liste der Wildbienen, welche alle zehn Jahre erneuert werden sollte. Aus Kostengründen gibt es jedoch keine aktuelle Rote Liste. Aufgrund der wenigen Experten ist eine flächendeckende Kartierung, z. B. im Rastersystem unmöglich, was zur Folge hat, dass vor allem Orte aufgesucht werden an denen zahlreiche Wildbienenvorkommen bekannt sind – in Brandenburg zum Beispiel in Sandgebieten wie Tagebauen, Heiden und Magerrasen.

Die Fotokartierung
Bei der Fotokartierung werden die Wildbienen anhand der optischen Merkmale auf den Makrofotos
untersucht, wobei sich einige Nachteile ergeben:

- Durch die öffentliche Fotokartierung wurden viele Fotos eingereicht, bei denen es sich um keine
Makrofotos, also Nahaufnahmen, der Bienen handelte, was eine Identifizierung unmöglich macht

- Auch bei sehr deutlichen Fotos ist es teilweise unmöglich einige Wildbienenarten eindeutig zu
identifizieren, da sich viele Unterarten optisch sehr ähneln

- Die Identifizierung der Wildbienen auf den Fotos kann nur durch Experten erfolgen, was eine
Arbeitsaufteilung sehr schwierig bis unmöglich macht, da sich nur sehr wenige Menschen für die
Identifizierung von Wildbienen auf Makrofotos interessieren. In Europa befinden sich solche Experten
überwiegend in England und Belgien.

Das Fotografieren von Wildbienen
Man benötigt eine Digitalkamera mit Makrofunktion damit die Kamera die Biene direkt vor der Linse
erkennt und vor dem Hintergrund scharf stellt. Dazu muss der Abstand von der Biene zur Linse so gering wie möglich gehalten werden. Ideal sind Abstände zwischen ein und fünf Zentimetern. Durch diesen geringen Abstand gestaltet sich das Fotografieren von Wildbienen als sehr schwierig, da man sich nicht hinsetzen kann, um zu warten bis die Biene vor die Linse kommt, sondern man muss ihr, meist in gebückter Haltung, folgen, während sie emsig und teilweise sehr schnell umher fliegt. Bienen im Flug zu fotografieren ist daher noch schwieriger und passiert eher zufällig wobei die großen Honigbienen oder Hummeln gut getroffen werden können. Fotos von Wildbienen macht man am besten wenn sie gerade nicht fliegen, also am Nesteingang oder beim Nektarsammeln, wobei die schönsten Fotos auf Blüten entstehen, da sie sich farblich auf dem Bild absetzen. Auch männliche Bienen, die sich zum Schlafen an Blütenstängeln festbeißen, kann man gut fotografieren.

Fotografieren zum Identifizieren
Die Biene muss seitlich oder von oben gut zu erkennen sein. Flugzeit, Ort und Pflanzenbesuch können
dabei hilfreich sein.

Ästhetische Fotos
Um besonders hochwertige Fotos zu machen, die sich z.B. für Titelbilder von Zeitungen eignen, benötigt man eine sehr hochwertige Kamera mit zusätzlichen Makrolinsen. Das Foto wird umso hochwertiger desto detaillierter die Aufnahme ist und die Dinge zeigen, die man mit bloßem Auge nicht erkennen würde, z.B. die Ommatidien (Einzelaugen) der Facettenaugen oder wenn sich die Farbe einer Pflanze in den Augen spiegelt. Einzelne Pollenkörner an der Biene dagegen werden auch schon von weniger hochwertigen Kameras gezeigt.

Wissenschaftlicher Anspruch
Da die o.g. Nachteile bereits vor der Kartierung bekannt waren, wurde von Anfang an auch öffentlich kein wissenschaftlicher Anspruch erhoben. Ähnlich wie bei der jährlichen NABU Aktion „Stunde der
Gartenvögel“, soll die Masse der Daten eine Repräsentation zeigen sowie vor allem auf den
Wildbienenschutz in der Öffentlichkeit hinweisen und ein Interesse dafür wecken. Gewollt bei der
Kartierung waren auch die zahlreichen Anrufe und Nachfragen zum Wildbienenschutz im Garten, um eine diesbezügliche Beratung durchzuführen. Die Menschen für den Wildbienenschutz zu begeistern war das größte Motiv für diese Kartierung. Die meisten Wildbienen-Makrofotografen interessieren sich früher oder später für den aktiven Schutz der einzelnen Wildbienenarten oder fördern das
Wildbienenvorkommen im eigenen Garten, um die Wildbienen direkt „vor die Linse“ zu bekommen.
Eine 100prozentige Identifizierung der einzelnen Arten kann nicht gewährleistet werden.

Urheberrecht
Die Fotos werden für NABU-Zwecke mit den Initialen des Fotografen und dem „NABU“ Zusatz
veröffentlicht, um eine gewisse Anonymität zu wahren. Keiner der Hobbyfotografen ist, nach Anfrage,
gegen solch eine Veröffentlichung.

Zahlen
29 Hobbyfotografen haben insgesamt 284 Fotos eingereicht.
14 Wildbienenarten konnten identifiziert werden, wobei die Rote Mauerbiene (Osmia bicornis) am
häufigsten fotografiert wurde.

Identifizierte Arten
Andrena fulva (Rotpelzige Sandbiene)
Anthidium manicatum (Große Wollbiene)
Anthophora plumipes in beiden Farbvarianten (Frühlingspelzbiene)
Bombus lapidarius (Steinhummel)
Bombus pascuorum (Ackerhummel)
Bombus rupestris (Felsenkuckuckshummel)
Bombus terrestris (Erdhummel)
Bombus vestalis (Keusche Kuckuckshummel)
Colletes cunicularius (Frühlings-Seidenbiene)
Colletes marginatus (Seidenbiene)
Dasypoda hirtipes (Hosenbiene)
Halictus sextinctus (Sechsbindige Furchenbiene)
Osmia bicornis (Rote Mauerbiene)
Sphecodes albilabris (Blutbiene)

Verwechselungen
Auf 11 Fotos befindet sich die Honigbiene Apis mellifera, die aufgrund ihrer starken Ähnlichkeit gerne mit Wildbienen verwechselt wird.

Auf mindestens 7 Fotos befindet sich eine Schwebfliege. Schwebfliegen imitieren das Aussehen von
Wildbienen um sich vor Feinden zu schützen. Sie werden den Fliegen zugeordnet und sind völlig
ungefährlich und können auch nicht stechen. Man unterscheidet sie von Wildbienen vor allem durch ihre fehlenden Fühler.

Rote Liste Arten
Zwei Rote-Liste-Arten wurden fotografiert. Die Sechsbindige Furchenbiene (Halictus sextinctus) ist in
Brandenburg ungefährdet wird jedoch deutschlandweit in der Kategorie 3 als gefährdet eingestuft.

Die Seidenbiene (Colletes marginatus) ist in der Roten Liste der Wildbienen in Brandenburg unter
Kategorie 3 als „gefährdet“ eingestuft und wurde von Anja Grabs im Naturschutzgebiet Gosener Wiesen fotografiert.

Wildbienenschutz
Wildbienen kann man nicht schützen indem man Insektenhotels aufstellt, siehe: 

Um Wildbienen zu schützen bedarf es der Anlegung von Blumenwiesen, siehe:






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